Hier ein Aufruf an alle Behördenmitarbeiter – insbesondere von Gemeindeverwaltungen, Landratsämtern, Gerichten, sozialen Einrichtungen sowie anderen nicht genannten Institutionen.
An dieser Stelle bitte ich euch – in meinem Namen und im Namen aller Menschen mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen – um eure Aufmerksamkeit.
Ich spreche als Betroffener und bin einer von vielen, die ebenfalls extrem schwere medizinische Notfälle überlebt haben.
In meinem Fall habe ich drei Schlaganfälle überlebt, bin offiziell zu 50 % schwerbehindert und kann nicht mehr normal schreiben. Das bedeutet: Mein gesamtes Schulwissen und die Fähigkeit, die normalen Rechtschreibregeln anzuwenden, sind vollständig verloren gegangen. Ich habe große Probleme beim Sprechen und benötige für die Bearbeitung schriftlicher Angelegenheiten sehr viel Zeit, was ebenfalls enorm viel Kraft und Energie kostet. Eines meiner größten Probleme sind die extremen Erschöpfungszustände (PSF), die nicht mit normaler Erschöpfung zu vergleichen sind.
Offiziell bin ich nicht mehr in der Lage, mehr als drei Stunden täglich zu arbeiten – und werde dies wahrscheinlich auch in Zukunft nicht mehr sein. Da ich immer freiberuflich genauer gesagt selbstständig tätig war und nie genug in die Rentenkasse eingezahlt habe, lebe ich nun vom Bürgergeld – dem ganz normalen Regelsatz. In meinem Fall habe ich durch extreme Unkosten für alternative Nahrungsergänzungsmittel, welche unabdingbar sind, Kosten von 250 bis 300 € monatlich. Das heißt, ich habe überhaupt keine Rücklagen und keine finanziellen Spielräume – insbesondere dann, wenn etwas kaputtgeht oder Anschaffungen wie neue Kleidung nötig werden. Somit lebe ich am absoluten Existenzminimum.
Bitte bedenkt auch, dass es viele Menschen mit ähnlichen Schicksalsschlägen in vergleichbaren Situationen gibt.
Ich habe in den vergangenen Monaten sehr viel negativen Ärger erleben müssen – mit Behörden, mit Gerichtsvollziehern, mit Richterinnen und Richtern sowie mit anderen Verwaltungsangestellten in öffentlichen Einrichtungen.
Durch diesen Ärger hat sich meine gesundheitliche Situation dramatisch verschlechtert. Ich kann deutlich schlechter sprechen und habe wesentlich stärkere Erschöpfungszustände, die mich zeitweise komplett ausknocken und lebensunfähig machen.
Jetzt bitte ich euch: Haltet einen Moment inne, schließt die Augen und fragt euch – besitze ich noch Menschlichkeit?
Wenn ihr diese Frage nun mit „Ja“ beantworten könnt, möchte ich euch bitten, eure gesamte Art und Weise im Umgang mit schwerbehinderten, chronisch kranken Menschen grundsätzlich zu überdenken. Denn wir chronisch Kranken tragen unser ganzes Leben lang erhebliche Belastungen, die für viele andere Menschen vollkommen unvorstellbar sind.
Wenn ihr also zum Beispiel Anträge bearbeitet – etwa auf die Erstattung von Mehrkosten – und diese im Rahmen einer Härtefallregelung genehmigen könnt, dann tut das bitte auch. Wenn man euch bittet, ein Verfahren einzustellen, könnt ihr – sofern die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind – auch dieses einstellen, um unnötige Belastungen für uns zu vermeiden. Bitte vermeidet auch unnötige Anfragen. Wir haben schon genügend Belastungen in unserem Leben.
Wir, die chronisch Kranken, sind keine Aktenzeichen, sondern lebende Menschen mit einem Herzen, die tagtäglich vor erheblichen Herausforderungen im Leben stehen.
Also bitte – zeigt Menschlichkeit. Darum bitte ich euch ❤
Ein Aufruf von Lichtbote Martin
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